Aufruf zu Solidarität mit Geflüchteten aus der GU Bühringstraße

Aufruf zu Solidarität mit Geflüchteten aus der GU Bühringstraße

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Berlin Style: Auszug über Nacht

Gestern Abend wurden 120 Bewohner*innen der Gemeinschaftsunterkunft in der Bühringstraße von Mitarbeiter*innen des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) informiert, dass sie am nächsten Morgen in andere Unterkünfte umzuziehen müssen. Ehrenamtliche und Hauptamtliche von Pankow Hilft! riefen dazu auf, heute morgen anwesend zu sein, wenn der Umzug vonstatten gehen würde. Ab heute morgen zehn Uhr wurden etliche Familien mit Kindern mit ihrer ganzen Habe in Kartons und Müllsäcken mit Umzugs-LKW und von der BVG gestellten Bussen in neue Unterkünfte über die ganze Stadt verteilt. „Was sollen wir machen“ und „wir werden schlechter als Tiere behandelt“ waren die spontanen Kommentare zu der Situation, in der die Bewohner*innen mal wieder nur extrem kurzfristig über ihr weiteres Schicksal informiert wurden. Die zwei Befragten hatten entweder einen Ausbildungsplatz 30 Minuten von der Bühringstraße entfernt oder die Kinder in der Kita in der Nachbarschaft.

 

Der Grund des Auszugs

Nachdem das LAF die Verträge mit der ehemaligen Betreiberfirma Pewobe (im August 2016) kündigte und ein bislang andauernder Rechtsstreit folgte, hat nun die Rechtsnachfolgerin der PeWoBe, die Firma Berlin Castle, den Deal mit dem LAF aufgekündigt. Am vergangenen Freitag kündigte Berlin Castle laut eines Berichts in neues deutschland an, dass alle Personen, die noch Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen und dem LAF unterstellt sind, bis zum Ende dieser Woche ausziehen müssen (Jobcenter-Kund*innen dürfen bleiben). Wenn das LAF nicht den Transport und die Umverteilung auf andere Unterkünfte berlinweit organisiert, werden die 200 betroffenen Asylsuchenden obdachlos.

 

Wieder auf Los!

Die 120 Menschen, von denen die meisten die vergangenen zwei Jahre in der Gemeinschaftsunterkunft in der Bühringstraße gelebt haben und deren Kinder dort in den umliegenden Kita und Schulen betreut wurden, müssen sich nun adhoc und unvorbereitet auf eine neue Umgebung einstellen und die gewachsenen Bande in die Nachbarschaft kappen. Leider waren die ehrenamtlichen Unterstützungsstrukturen für diese Unterkunft nie stark gewesen – was unter anderem an der Verschlossenheit des Betreibers lag. Sonst hätte es vermutlich mehr Protest heute morgen gegeben. Leider waren nur sehr wenige Unterstützer*innen da, die traurig und hilflos daneben standen. Es gab keine Ansprachpartner*in mit Hintergrundinfos, wie es zu dieser übereilten Aktion kommen konnte. Auch LAF-Pressesprecher Sascha Langebach konnte am Telefon nur sagen, dass die Rechtsstreitigkeiten mit Berlin Castle noch liefen und man deswegen nichts über die Hintergründe verlautbaren lasse. „Sehr bedauerlich“, aber so sei das nun manchmal, wenn sich zwei Parteien streiten und nicht einer Meinung sind. Das LAF und die Senatorin Breitenbach rühmen sich damit, dass sich den Umzug der Menschen so schnell organisieren. Besser als Obdachlosigkeit ist das allemal, aber die Frage bleibt, ob diese Eskalation nicht hätte verhindert werden können.

Presseartikel

Presseartikel

Anschreiben LAF

 

Aufruf aus Weißensee:

### Aufruf zur Solidarität von Pankow Hilft! in Weißensee ###

Räumung der Gemeinschaftsunterkunft Bühringstraße verhindern !!

Erst vor wenigen Stunden hat uns die völlig verstörende Nachricht erreicht, dass am morgigen Dienstag, 28.03.2017 ab 9 Uhr mehr als 200 Menschen ihr vertraute Unterkunft in der Bühringstr. in Weißensee ohne Grund verlassen müssen. Augenscheinlich völlig wahllos sollen sie auf andere Unterkünfte verteilt werden.

Hierfür gibt es keine Begründung, kein offizielles Statement des Betreibers Pewobe/Berlin Castle oder des LAF, nur Vermutungen.

Am heutigen Abend sollen durch Mitarbeiter des LAF Briefe an die Betroffenen verteilt worden sein, in denen ihnen mitgeteilt wurde, wo sie ab morgen untergebracht werden sollen. Ob ausreichend SprachmittlerInnen vor Ort waren, um die Menschen angemessen zu informieren ist nicht bekannt.

Unter den Betroffenen befinden sich Familien, deren Kinder in Weißensee Schulen und Kita´s besuchen, Menschen die teilweise seit mehr als 2 Jahren hier leben. Ihnen soll auf Grund interner Querellen innerhalb von Stunden das soziale Umfeld genommen werden.

Wir wollen ein Zeichen setzen, den Menschen zeigen das sie nicht allein sind.

Kommt vorbei, zeigt euch solidarisch mit den Geflüchteten und dem LAF/Pewobe/Berlin Castle den Stinkfeiner für ihre menschenverachtenden Machenschaften.

Treffpunkt: Dienstag, 28.03., ab 8 Uhr vor der Gemeinschaftsunterkunft in der Bühringstr. 2-8, 13086 Berlin Weißensee

Kommt vorbei, teilt diesen Aufruf, sagt euren FreundInnen bescheid, zeigt euch solidarisch.

Wir sehen uns morgen früh !!